Stadt Augsburg mahnt Blogger ab – Die üblichen drei: David, Goliath und ein Anwalt

Geschrieben von Thorsten Ulmer am 24. November 2009 | Abgelegt unter Social Media

„Nicht schon wieder“ mag sich der geneigte Social-Media-Kenner denken.  Irgendwie kommt einem das alles zwischenzeitlich so unangenehm bekannt vor. Und ich begreife es schon lange nicht mehr. Wie viele Jack Wolfskins muss es denn noch geben auf dieser Welt, um  die Damen und Herren zum Nachdenken zu bewegen, bevor sie Ihre Juristen-Kettenhunde von der Leine lassen. Einfach vorher mal nachdenken. Vielleicht mal jemanden fragen der sich damit auskennt. Und damit meine ich keinen Anwalt, sondern jemand der sich wirklich damit auskennt. Der nicht die Rechtslage abschätzt sondern die Folgen. Den Schaden für die Marke.

Nun also die Stadt Augsburg. Laut der Augsburger Allgemeinen hat die Stadt den Blogger Michael Fleischmann wegen Verletzung des Namensrechtes abgemahnt. Fleischmann hatte sich die Domain augsburgr.de gesichert. Laut eigener Aussage hat er darüber sogar die Stadt per Mail informiert.  So, und an dieser Stelle kommt das von mir empfohlene Nachdenken in Spiel. Warum jetzt nicht einfach auf dem kleinen Dienstweg, den Mann anrufen und erklären, dass man damit – aus welchen Gründen auch immer – nicht einverstanden ist. Oder vielleicht einfach mal nachfragen, was er denn vor hat mit der Domain. Vielleicht entsteht ja etwas, das der Stadt positive Effekte bringt. Diese Ergebnisse entstehen durch Nachdenken.

Die Stadt Augsburg zog allerdings den weitaus üblicheren Weg vor. Fleischmann flatterte – quasi als Antwort auf seine Mail – eine Rechnung ins Haus. 1890,91 Euro, errechnet aus einem Streitwert von 50.000 Euro. Wie sich dieser Streitwert errechnet bleibt mir unklar. Aber, so wird noch betont, es handle sich um „einen entgegenkommend niedrigen Betrag“.

Na ja. Die üblichen PR-Katastrophen nehmen bereits 24 Stunden nach Erscheinen des Artikels Ihren Lauf. Im Forum der Augsburger Allgemeinen kotzen sich zwischenzeitlich 108 Kommentatoren über die Stadt aus. Google’s News-Ergebnisse nehmen sich der Sache an und Spiegel-Online hat bereits berichtet. Dies sind meist die besten Voraussetzungen um den Weg in die klassischen Medien zu finden. Unglücklicherweise lässt sich ein Schaden der einer Marke zugefügt wird, nicht so einfach in beziffern. Aber ich befürchte er liegt bereits jetzt weit über 1890,91 Euro.

Nachtrag: Reichlich kommentiert wurde auch bei Carsten Knobloch von stadt-bremerhaven.de

Update:
“Er ist schnell, das muss man ihm lassen”. So kommentierte ALF seinerzeit seine erfolglose Jagd auf den Kater Lucky.
Und genau das trifft auch auf den OB der Stadt Augsburg Kurt Gribl zu. Laut Augsburger Allgemeine rudert die Stadt Augsburg im aktuellen Fall zurück. Ich denke gerade noch rechtzeitig.

“Rein rechtlich war der Ablauf korrekt. Es lag ein Verstoß gegen Namensrechte vor und wir als Stadt müssen die Rechte an unserem Namen wahren.”

So sagt der gute Mann. Allerdings ist er mit der Vorgehensweise nicht einverstanden.

“Ich hätte mir da ein sensibleres Vorgehen gewünscht.”

Pikant an der Sache: Der Herr Oberbürgermeister hat von all dem (laut eigener Aussage) gar nichts gewusst. Das dürfte intern noch ordentlich Alarm geben… ;-)


4 Kommentare zu “Stadt Augsburg mahnt Blogger ab – Die üblichen drei: David, Goliath und ein Anwalt”

  1. am 24. November 2009 um 18:00 1.Tweets die Thorsten Ulmer – Dialog, Design, Datendrang, Webdesign, Screendesign, Blogger, Social Media » Stadt Augsburg mahnt Blogger ab – Die üblichen drei: David, Goliath und ein Anwalt erwähnt -- Topsy.com schrieb …

    [...] Dieser Eintrag wurde auf Twitter von Thorsten Ulmer, Thorsten Ulmer erwähnt. Thorsten Ulmer sagte: Meine 5 Cent zum Thema Bloggerabmahnung der Stadt Augsburg. #ausburg #abmahnung http://bit.ly/5HCtc3 [...]

  2. am 25. November 2009 um 09:31 2.Bernadette schrieb …

    “Vielleicht entsteht ja etwas, das der Stadt positive Effekte bringt.”

    Genau dieses! Solange keine angestrebten Inhalte des Blogs vorliegen, darf die Stadt Augsburg nicht einfach davon ausgehen, dass deren Namensrechte verletzt werden. Ich unterstelle einfach mal, dass die Stadtspitze im Allgemeinen wenig mit der Bloggerszene anfangen kann.

  3. am 25. November 2009 um 19:12 3.Thorsten Ulmer schrieb …

    Denke ich auch. Ist ja auch nichts außergewöhnliches für eine Verwaltung. Aber dann muss ich mir halt Rat einholen. Und zwar nicht von einem Anwalt, sondern von einem Experten.
    Na ja… der Herr OB hats ja grade nochmal glatt gebügelt. :-) )

  4. am 18. April 2010 um 23:11 4.Outdoor Trekking schrieb …

    Outdoor Trekking…

    Kann man drueber streiten. Die einen sehen es so – andere wieder anders. Man wird es niemals allen zugleich recht machen koennen. Aber die Beitraege dazu finde ich hier echt Klasse. Wenigstens mal eine Seite die zu dem Thema etwas leicht Lesbares zum V…

Trackback URI | Kommentare als RSS

Einen Kommentar schreiben

Get Adobe Flash playerPlugin by wpburn.com wordpress themes